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Februar 2020
Plastikreste aus dem Biomüll finden sich im Acker des Eglhartinger Kompostbauern wieder
Plastikreste aus dem Biomüll finden sich im Acker des Eglhartinger Kompostbauern wieder

"Ebersberger Weg" in der Sackgasse

Nur wenige werden sich noch an die 1988 gegründete Bürgeraktion "Das bessere Müllkonzept" erinnern. Die Initiatoren hatten sich zum Ziel gesetzt, das weitere Anwachsen der Müllberge durch Vermeiden von Müll und Wiederverwerten der im Müll enthaltenen Wertstoffe zu verhindern. In einem Volksentscheid im Februar 1991 hatten die Bayern zwischen dem Gesetzentwurf des besseren Müllkonzepts und einem der CSU zu entscheiden. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden war, dass die CSU den Restmüll thermisch entsorgen wollte, während "Das bessere Müllkonzept" diesen weiterhin unbehandelt deponieren wollte. Der Gesetzentwurf der Bürgeraktion scheiterte mit 43,5 Prozent.

Die Ideen der Bürgeraktion "Das bessere Müllkonzept" fielen im Kreistag Ebersberg auf fruchtbaren Boden. Der 1988 werbewirksam eingeleitete "Ebersberger Weg" sah vor, dass der Restmüll nicht einer Müllverbrennungsanlage verbrannt, sondern unbehandelt weiter auf der Landkreis-Deponie "An der Schafweide abgelagert wurde.

Die Abfallablagerungsverordnung verbot diese Praxis ab 2005 endgültig, seitdem wird der Restmüll zur Müllverbrennung nach Ingolstadt transportiert. Die Widerstände im Kreistag gegen dieses Scheitern des "Ebersberger Wegs" waren groß, die Müllgebührenzahler aber profitierten durch eine deutliche Gebührensenkung.

Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sind Bioabfälle getrennt zu sammeln. Die Entsorgung der Bioabfälle im Landkreis ist im "Ebersberger Weg" von der romantisierenden Vorstellung eines kleinen Komposthaufens im heimischen Garten geleitet, der hygienisch einwandfreien Kompost für den eigenen Gemüsegarten liefert. Die Realität in den Rotteanlagen der 15 Kompostbauern im Landkreis, die den Abfall aus der Biotonne und die Grünabfälle verwerten, hat mit dieser Idylle nichts zu tun. Gestank empfängt einen schon von Weitem.

Im November 2019 stellte ein dem ULV-Ausschuss des Kreistags vorgestelltes Gutachten über die Emissionen aus der Kompostieranlage in Vaterstetten fest, dass erhebliche Mengen an Ammoniak freigesetzt werden. Das weist darauf hin, dass - anders als es die Abfallsatzungen und das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz vorschreiben - nicht nur pflanzliche Abfälle, sondern in einem beträchtlichen Umfang auch Abfälle tierischen oder womöglich gar menschlichen Ursprungs in die Biotonnen geworfen werden.

Ebenso bedenklich ist, dass bei der Rotte erhebliche Mengen klimaschädlicher Gase wie Lachgas und Methan freigesetzt werden. Obwohl der Kreistag bereits im Sommer 2019 auf Antrag der SPD zur Ausrufung des Klimanotstands beschlossen hatte, ab sofort Lösungen "zu bevorzugen, die sich positiv auf Klima-, Umwelt- und Artenschutz auswirken", beschloss der ULV-Ausschuss Ende November 2019, an dieser klimaschädlichen Art der dezentralen Kompostierung der Bioabfälle festzuhalten.

Der erzeugte Kompost enthält trotz mühseligen und teuren manuellen Aussortierens der Störstoffe dennoch viele Makro- und Mikroplastikteile aus Fehlwürfen in die Biotonne. Die Äcker der Kompostbauern, auf die dieser "Kompost" verteilt wird, werden so zu einer Deponie für Plastikmüll.

Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten. Im Landkreis Starnberg wurden aus den rund 9000 Tonnen Bioabfall rund 500 Tonnen Plastikmüll aussortiert. Wie viel nicht aussortiert wird und auf dem Acker landet, darüber machte das Gutachten keine Aussagen. In den rund 100.000 Tonnen Kompost, die bisher auf den Äckern im Landkreis ausgebracht wurden, waren sicherlich sehr viele Tonnen kleiner und kleinster Plastikteile enthalten. Beim Blick auf den Acker eines Kompostbauern neben der Fa. Lidl in Eglharting wird man daher sehr schnell fündig. Bedenklich ist, dass die Wirkung von Mikro- und Nanoplastik auf Bodenorganismen und Pflanzen bis heute nicht erforscht ist.

Das sind aber nur die sichtbaren Verunreinigungen. Nicht sichtbar, aber dennoch hochproblematisch, sind die chemischen Schadstoffe in den Biotonnen aus Fehlwürfen, die die Kompostierung überstehen und auf die - bis auf die Schwermetalle - bisher überhaupt nicht untersucht werden muss. So werden unsere Äcker als Deponie für Schadstoffe aller Art missbraucht.

Kompostierung ist aber ein lukratives Geschäft. Jahrelang hatte sich der Kreistag dagegen gewehrt, die Entsorgung des Bioabfalls EU-weit auszuschreiben. Zitat aus der ULV-Sitzung vom 14.3.2007: "Die derzeitigen Kosten sind aber die doppelten bis dreifachen Kosten der marktüblichen Preise". Nachdem eine Ausschreibung nicht mehr umgangen werden konnte, werden die Ausschreibungsbedingungen vom Kreistag so gesteuert, dass der Entsorgungsauftrag immer wieder nur an die Kompostbauern im Landkreis gehen kann und nicht an zentrale Kompostierer mit einer Abluftreinigung.

Hygienische Probleme und Mikroplastik wegen unkontrollierbarer Fehlwürfe, Emissionen klimaschädlicher Gase und hohe Kosten haben den "Ebersberger Weg" erneut in eine Sackgasse gebracht, diesmal bei der Entsorgung des Bioabfalls. Ein "Weiter-So" darf es nicht geben.

Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Februar 2020, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite https://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"