"Wasser Marsch" im Ebersberger Forst
Kaum gibt es im Hochsommer einige Hitzetage, schon füllen sich die Medien mit Berichten über eine angeblich erhöhte Waldbrandgefahr als Folge des Klimawandels. Aber die deutsche Waldbrandstatistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zeigt, dass die Anzahl der Waldbrände in den letzten 30 Jahren erheblich ab- und nicht zugenommen hat.
Auch widerspricht die Statistik der Vorstellung, dass die höchste Waldbrandgefahr im Hochsommer bestünde. In Bayern ist die Anzahl der Waldbrände in den Monaten Februar bis Mai in den meisten Jahren genauso hoch wie in den Sommermonaten Juni bis September, in manchen Jahren wie in 2017 sogar deutlich höher. Denn wenn im Winter Schnee und Fröste die Bodenvegetation absterben lassen, kann eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit dazu führen, dass nur wenig frisches Grün austreibt und Boden und Bewuchs ausgedörrt sind. Eine weggeworfene Zigarettenkippe kann dann rasch zu einem ausgedehnten Vegetations- und Waldbrand führen.
Die umfangreiche mediale Berichterstattung über große Wald- und Vegetationsbrände täuscht auch über die regionale Verteilung hinweg. Die meisten und flächenmäßig größten Brände sind regelmäßig in Nord- und Ostdeutschland. Im Flächenland Bayern traten im Durchschnitt der letzten Jahre nur rund 10% aller bundesweiten Waldbrände auf, betroffen waren jährlich rund 50-100 Hektar.
Leider werden auch die großen staatlichen und privaten Wälder im Osten und Südosten Münchens immer wieder von Waldbränden heimgesucht. Besonders bedrohlich ist eine schon viele Jahre andauernde Serie von mindestens 20 Brandstiftungen, u.a. im März und April 2017 und 2018 in den Wäldern rund um Trudering, Haar, Grasbrunn, Putzbrunn, Hohenbrunn und Unterhaching, die bisher knapp zehn Hektar Waldwiesen und Jungwald zerstörte.
Diese Brandstiftungen trugen dazu bei, dass nach der Waldbrandstatistik in Bayern inzwischen bei rund jedem zehnten Waldbrand Brandstiftung als Ursache angegeben wird. Vor 2015 lag der Anteil nur bei unter fünf Prozent.
Welche Ursache ein Wald- oder Vegetationsbrand auch immer hat, eine rasche Erkennung und wirkungsvolle Bekämpfung ist entscheidend für die Minimierung des Schadens.
Dazu leistet im Landkreis die Früherkennung durch Luftbeobachtungsflüge der Flugbereitschaft Oberbayern der Luftrettungsstaffel Bayern e.V. mit ihren ehrenamtlichen Piloten wertvolle Dienste. Die ausgebildeten amtlichen Luftbeobachter sind in der Regel Bedienstete der Katastrophenschutzbehörden oder Forstbehörden vor Ort. Der Landkreis Ebersberg und vier weitere Landkreise werden vom Stützpunkt Erding aus ganz oder teilweise beflogen.
Nach Auskunft des für den Katastrophenschutz zuständigen Bayer. Innenministeriums fänden Waldbrandbeobachtungsflüge nur statt, wenn es der Waldbrandindex des Deutschen Wetterdienstes notwendig mache. Die Befliegungen fänden insbesondere in Zeiten mit hohen Freizeitaktivitäten, also in der Zeit von 13:30 Uhr bis 18:00 Uhr einmal pro Tag statt. Dabei könne der angeordnete Flug je nach Wetter vor Ort eigenverantwortlich modifiziert bzw. abgebrochen werden.
Zwar können die Beobachtungsflüge im Idealfall für eine rasche Erkennung und Alarmierung sorgen, es verbleiben aber erhebliche "blinde Flecken" außerhalb der Flugzeiten und -gebiete. So lässt das Innenministerium derzeit prüfen, ob der Einsatz von Kameras in gefährdeten Gebieten zur frühzeitigen Erkennung von Feuer und Rauch sinnvoll sein könnte. In Brandenburg sind schon 107 optische Sensoren erfolgreich zur Waldbrandfrüherkennung installiert. Auch die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen setzen inzwischen auf dieses Verfahren.
Ist ein Waldbrand erkannt, dann ist dessen Bekämpfung zunächst Aufgabe der Feuerwehren der Anliegergemeinden. Wegen der langen Anfahrtswege ist die Löschwasserversorgung im rund 90 km² großen Ebersberger Forst eine große Herausforderung, denn im Forst gibt nur einen kleinen Löschweiher (Hohenlindner Sauschütt) und wenige kleine natürliche Gewässer. Glücklicherweise verläuft entlang der Forststrasse Ebersberg-Anzing eine DN400-Wasserleitung der Stadt Ebersberg. In diese Leitung sind 10 Hydranten mit je zwei Anschlussmöglichkeiten eingebaut, über die die Feuerwehren Löschwasser entnehmen können.
Sollte die Brandbekämpfung vom Boden aus nicht mehr ausreichen, so können über das Innenministerium Löschhubschrauber der Landes- und Bundespolizei, der Bundeswehr oder privaten Anbietern angefordert werden. Für eine Löschwasserentnahme sind die Kiesweiher Hörgstetter, der MKU, in Gerharding und zwischen Forstern und Pastetten vorgesehen.
Die bisher nur wenigen und flächenmäßig kleinen Waldbrände im Ebersberger Forst zeigen, dass der Brandschutz bisher gut funktioniert. Durch immer mehr technische Anlagen wie Gas- und Flüssigkeitspipelines, Windmühlen, Schießanlagen, Forstgroßmaschinen, offenes Feuer in Gaststätten und Köhlerei sowie zunehmenden Besucherverkehr wächst das Risiko von Bränden, die auf den Wald übergreifen können, aber ständig.
So verläuft quer durch den Ebersberger Forst eine OMV-Pipeline für Heizöl extra leicht, Dieselkraftstoff und Flugturbinentreibstoff von der Raffinerie in Burghausen über das Tanklager in Steinhöring zum Tanklager nach Feldkirchen bei München. Bei einem Druck bis zu 72,5 bar (in Steinhöring) befinden sich in einem Abschnitt zwischen zwei Absperrventilen bis zu 800 m3 brennbarer Flüssigkeit. Im Planfeststellungsbeschluß heißt es dazu u.a.: "Der 'worst-case' bei einer eingeerdeten Leitung ist der komplette Bruch über eine Länge von ca. ein bis zwei Metern. Je nach Überdeckung der Leitung kann es zu Verwerfungen der Oberfläche mit Austritt von Rohöl kommen. An die Oberfläche kommendes Rohöl verdampft. Bei einer Verdampfung von flüssigen Kohlenwasserstoffen können entzündliche Gemische entstehen, die zu Explosionen führen können."
Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft August 2020, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite https://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"