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Juni 2026

Schwarzes Gold aus heimischen Wäldern

Mathias Huber wurde 1747 als eines von neun Kindern des Ebersberger Mehlhändlers Thomas Hu[e]ber geboren. Bekannt wurde er als Pater Candid[us] Huber, der sich ab 1769 im Benediktinerkloster Niederaltaich umfangreiches Wissen über die Flora und Fauna der Wälder erwarb und deshalb ab 1785 als Pfarrvikar in Ebersberg mit der Verwaltung der hiesigen Klosterwaldungen beauftragt war. Hier verfasste er 1792 seine "Kurzgefaßte Naturgeschichte der vorzüglichsten baierschen Holzarten nach ihrem verschiedenen Gebrauche in der Landwirthschaft, bey Gewerben, und in Offizinen" als "Handbuch für jeden Liebhaber der Forstwissenschaft so wohl als für die Besitzer der Ebersbergischen Holzbibliothek": eine Art "Bedienungsanleitung" für seine bis zu 150 Bände umfassende berühmte Sammlung, die er nach Vorbildern in anderen Regionen schuf.

Sein auf dem Denken der Aufklärung beruhendes ökologisches Verständnis vom Gesamtsystem Wald führte 1808 zu seiner zweibändigen "Vollständige[n] Naturgeschichte aller in Deutschland einheimischen und einiger nationalisirten Bau- und Baumhölzer ... ". Darin berichtete "in einem Nachtrage über das Kohlenwesen" über seine Experimente zur Eignung von 21 Holzarten zur Holzkohlengewinnung. Denn nicht nur "in unserer Gegend, die wegen dem langen und weitschichtigen Forste, das Holzland genannt wird", sah er im "Verkohlen des Holzes eine der wichtigsten Forstnutzungen". Doch in dieser Zeit, in der viele den desolaten Zustand der Wälder beklagten und eine Holzknappheit befürchteten, geriet das Köhlerwesen durch den zunehmenden Einsatz von Kohle und Koks bei industriellen und gewerblichen Prozessen bereits ziemlich unter Druck.

So sollen im Jahr 1792 im Raum Ober- und Niederbayern (genauer: in den Rentämtern München, Landshut, Straubing und Burghausen) nur noch 64 Kohlenbrenner-Meister mit 10 Gesellen und 17 Lehrlingen gezählt worden sein. Diese Zahlen werden von Einigen als zu niedrig angezweifelt.

Anders als die vielen Glashütten im Bayerischen Wald oder die Eisenverhüttung in der Oberpfalz, die beide enorme Menge an Holzkohle verbrauchten, gab es im Ebersberger "Holzland" keine Großverbraucher. Der Bedarf der vielen lokalen Schmiede war demgegenüber vernachlässigbar.

Die bisher frühesten bekannten Zahlen für den Bereich des Landgerichts Ebersberg entstammen der Gewerbe-Tabelle des Jahres 1847, in der die Anzahl der "Köhlereyen und Torfstechereyen" mit 6 angegeben wird; sie beschäftigten insgesamt 17 Personen (die meisten davon erstaunlicherweise weiblichen Geschlechts). In der Gewerbe-Statistik für 1875 wird im Bereich des Bezirksamts Ebersberg nur noch je eine "Köhlerei bzw. Holztheerschwelerei" im Haupt- bzw. im Nebenbetrieb erwähnt.

Das passt gut zu der Anzahl der "Kohlstätten", die in den Karten des sogenannten Urkatasters, die zu Besteuerungszwecken zwischen 1808 und 1864 in den Maßstäben 1:2500 bis 1:5000 angefertigt wurden, im Raum Eglharting/Kirchseeon, rund um Deinhofen/Schattenhofen, bei Esterndorf, bei Aiterndorf und bei Traxl verzeichnet sind. Für Kirchseeon und Esterndorf sind Namen der Köhler bekannt. Die bekannte Köhlerfamilie Perfler war zur damaligen Zeit noch nicht hier ansässig, sie siedelte sich erst 1912 in Pöring an und 1980 nach Diana um.

Die meisten der im Urkataster verzeichneten Kohlstätten konnten vor Ort durch Holzkohlenfunde bestätigt werden, einzelne waren in der Neuzeit durch Wege und Gebäude überbaut worden.

Wesentlich mehr, nämlich inzwischen ein Dutzend Kohlstätten mit je bis zu drei Meilern, konnten vom Verfasser seit dem Frühjahr 2026 aufgrund ihrer Kreisstrukturen in den sogenannten Schummerungskarten des Bayern-Atlas identifiziert, anhand ihrer GPS-Daten in den Wäldern rund um Kirchseeon lokalisiert und durch Holzkohlenfunde bestätigt werden.



Diese Schummerungskarten sind das Ergebnis des flugzeuggestützten Laserscanning (LIDAR) der Bodenoberfläche, das das bayerische Landesvermessungsamt seit etwa 10 Jahren durchführt (im Raum Kirchseeon zuletzt im Jahr 2022) und danach aus den Daten Bewuchs und Gebäude herausrechnet. Übrig bleibt ein Modell der nackten Bodenoberfläche, das wegen seiner horizontalen Auflösung von 1 m als Digitales Geländemodell DGM1 bezeichnet wird. In diesen Karten kann man mit etwas Übung Meiler als rundliche Objekte mit einem Durchmesser von 5-10 m erkennen.



An jedem Standort konnten unter einer dünnen Humus- und Moosschicht dicke Holzkohleschichten von Grubenmeilern (eine Frühform, die schon die Römer kannten) oder Standmeilern (eine bis in die Neuzeit eingesetzte Form, bei der Holz rund um eine sog. Quandelstange aufgeschichtet wird) gefunden werden. Langmeiler, eine weitere Spätform, wurden bisher nicht entdeckt, jedoch Hinweise auf eine temporäre Köhlersiedlung zwischen Kirchseeon und Deinhofen.

Eine Datierung dieser Altmeiler ist nicht einfach möglich, auch weil ein guter Meilerplatz über die Jahrzehnte und Jahrhunderte wohl immer wieder benutzt wurde. Eine Situierung in Furchen von Hochäckern, wie bei Deinhofen und Fürmoosen, weist darauf hin, dass die Grubenmeiler erst nach dem Ende dieser mittelalterlichen Bewirtschaftungsform entstanden sein können.

Auf diese Zeit weist auch der Flurname Kollmannsbrunnberg für eine Erhebung in der Endmoränenkette zwischen Kirchseeon und Deinhofen hin, da er vermutlich auf die frühneuhochdeutsche Bezeichnung "kolman" für einen Köhler (laut dem Wörterbuch für das Jahr 1579 nachgewiesen) zurückzuführen ist. Dort konnten mittels der LIDAR-Daten drei Kohlstätten im Abstand von wenigen hundert Meter sowie inzwischen versiegte Quellen am Berghang ausfindig gemacht werden.

Nachdem unsere Gegend auch schon zur Römerzeit besiedelt war und Holzkohle für die Herstellung und das Schmieden von Eisen schon damals verwendet wurde, könnten C14-Datierungen und Dendrochronologie der Holzkohlenreste den Altmeilern noch interessante neue Erkenntnisse für die lokale Siedlungsgeschichte entlocken.

Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Juni, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite http://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"




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