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Juli 2014
Güterzug mit Kesselwagen fährt durch den Bahnhof Kirchseeon
Güterzug mit Kesselwagen fährt durch den Bahnhof Kirchseeon

Neues zum Bahnausbau - Umgehungsgleise für Rosenheim und das Inntal?

Anfang Juni 2014 veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium die Projektvorschläge für den neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015 und die Planung für den weiteren Ausbau der Brennerzulaufstrecke München-Rosenheim-Kiefersfelden.

Für den Abschnitt München-Trudering - Großkarolinenfeld ist danach weiterhin ein 4-gleisiger Aus-/Neubau mit einer Streckengeschwindigkeit bis 230 km/h vorgesehen (bisherige Höchstgeschwindigkeit 160 km/h). Ab Großkarolinenfeld bis Brannenburg sollen dann die Güterzüge auf einer Neubaustrecke um Rosenheim und das bayerische Inntal herumgeleitet werden.

Damit ist Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) auf die Forderungen des Rosenheimer Landrats und der Inntal-Bürgermeister eingegangen, die seit jeher vehement einen Ausbau mindestens mit dem gleichem Schutzstandard wie im österreichischen Inntal und damit im Ergebnis eine Güterzug-Neubaustrecke außerhalb der Ortschaften gefordert hatten. Anfang dieses Jahres hatte sich auch Daniela Ludwig, CSU-Bundestagsabgeordnete aus Rosenheim, diesen Forderungen angeschlossen und festgestellt: "Ich glaube nicht, dass wir 400 Züge mitten durch Oberaudorf fahren lassen können" und "Ich bin aber grundsätzlich der Ansicht, dass es besser ist, wenn der Güterverkehr die Stadt umfährt, ähnlich wie in Innsbruck".

CSU-MdB Daniela Ludwig (Rosenheim) hält 400 Züge mitten durch Oberaudorf für nicht mehr akzeptabel. Durch Kirchseeon fahren heute rund 400 Züge pro Tag, darunter auch solche verrosteten Kesselwagen wi in der Abbildung oben - und es sollen noch mehr werden.

Damit sind die Bahnanlieger im Landkreis Rosenheim dank des Engagements ihrer Mandatsträger dem Ziel einer Entlastung der quer durch die Orte des Inntals führenden Bestandsstrecke einen guten Schritt näher gekommen. Von einem solchen Engagement ihrer Mandatsträger können die Bahnanlieger im Landkreis Ebersberg jedoch bislang nur träumen: die Europaabgeordenete Dr. Angelika Niebler (CSU) ist ziemlich desinteressiert, MdB Ewald Schurer (SPD) kann es offenbar gar nicht schnell genug gehen, bis die prognostizierten 200 Güterzüge quer durch die Gemeinden des Landkreises donnern und MdB Dr. Andreas Lenz (CSU) hält sich vornehm zurück oder weiß nicht, was er will, ist aber – genauso wie Landrat Niedergesäß (CSU) - auf alle Fälle gegen einen Tunnel. Kirchseeons Bürgermeister Ockel (CSU) und die Bürgermeister der anderen Anliegergemeinden im Landkreis wollen scheinbar abwarten, was andere über sie entscheiden.

Angesichts dieses „Engagements“ der hiesigen Mandatsträger, die offensichtlich auch das eindeutige Votum des Kreistags im Frühjahr 2014 nicht motivieren konnte, verwundert es nicht, dass in den jetzigen Planungen des Bundesverkehrsministeriums von einem Tunnel zwischen München und Grafing, der noch im Jahr 2011 im Schienenwege-Bedarfsplan des Bundesverkehrsministers enthalten war, nun keine Rede mehr ist: Bundesverkehrsminister Dobrindt hat die zunächst im Landkreis Ebersberg für den Lärmschutz geplante Investition von rund 1 Mrd. EUR kurzerhand einfach in den Landkreis Rosenheim verschoben, denn die dort geplante Güterzugumfahrung von Rosenheim und dem Inntal wird ohne Tunnelbauten nicht möglich sein.

Die für den BVWP 2015 vorgeschlagenen Alternativen zu dieser Planung sehen für die Gemeinden des Landkreises Ebersberg nicht besser aus. So wird daran gedacht, Kapazitäten für zusätzliche Züge ohne den Bau zusätzlicher Gleise, sondern allein durch die Aufrüstung der Signaltechnik von München bis nach Kiefersfeldern zu schaffen. Zusätzlich soll zwischen München-Trudering und Grafing Bahnhof die Höchstgeschwindigkeit von 160 auf 200 km/h erhöht werden. Jede Geschwindigkeitserhöhung erfordert aber eine Vergrößerung der Kurvenradien und führt damit in Kirchseeon zwangsläufig zum Eingriff in private Wohngrundstücke und zum Abriss von Wohnhäusern. Darüber hinaus würde nach derzeitiger Rechtslage eine solche signaltechnische Zugverdichtung keinerlei Ansprüche auf Lärmschutzmaßnahmen zur Folge haben.

Signaltechnische Maßnahmen allein reichen aber nicht aus, alle prognostizierten Züge über die Strecke München-Rosenheim in Richtung des geplanten Brenner-Basistunnels zu führen. Parallel dazu müssten die Strecken München-Mühldorf und Mühldorf-Rosenheim ausgebaut werden, um die Güterzüge teilweise um die überlastete Strecke München-Rosenheim und den überlasteten Knoten München herumzuführen. Damit wären zwei Eisenbahnstrecken und Tausende von Menschen im Landkreis Ebersberg von Eisenbahn-Ausbaumaßnahmen betroffen – die politischen Mandatsträger im Landkreis aber zeichnen sich durch Schweigen aus

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In diese Ausbaupläne platzte vor wenigen Tagen die Nachricht, dass es der Partei des Beppe Grillo in Italien gelungen ist, eine bislang geheim gehaltene Gesundheitsstudie, die die Medizinische Universität Innsbruck im Auftrag der Brennerbasistunnelgesellschaft bereits 2008 erstellt hat, zu erhalten und zu veröffentlichen. In der Studie wurden erstmals die gesundheitlichen Auswirkungen des Lärms von Autobahn, Bundesstraße und Bahntrasse in den Gemeinden zwischen Innsbruck und Brennerpass anhand von Medikamentenverschreibungen verglichen und dabei festgestellt, dass Bahnanlieger durch den Verkehrslärm gesundheitlich in wesentlich höherem Ausmaß geschädigt werden als die Anlieger der Brenner-Autobahn oder der Brenner-Bundesstraße.

Die Verlagerung weiterer Verkehre von der Straße auf die Schiene mag zwar vielleicht dem Klima nützen, sie schadet aber ganz sicher der Gesundheit von Tausenden von Menschen, denn – anders als Autobahnen – führen die Eisenbahntrassen durchwegs quer durch die Ortschaften und oft nur wenige Meter an den Wohnhäusern der Menschen vorbei. Ein weiterer Ausbau und eine Intensivierung der Bahnverkehre auf der Strecke München-Rosenheim ist daher mit dem verfassungsrechtlich gebotenen Schutz der Gesundheit kaum vereinbar.

Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Juli 2014, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite https://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"