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Februar 2015
Blocksignale am Bhf. Kirchseeon
Blocksignale am Bhf. Kirchseeon

Mehr Lärm auch ohne zusätzliche Gleise

Auf Einladung der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig trifft sich am 13. Februar 2015 Bundesverkehrsminister Dobrindt mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden des Landkreises Rosenheim, mit der Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und dem Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler zu einer Informationsveranstaltung über das weitere Vorgehen bei der Planung der Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel – kein einziger Vertreter aus dem Landkreis Ebersberg ist daran beteiligt.

Die Rosenheimer Mandatsträger handeln – und die Mandatsträger des Landkreises Ebersberg, Landrat Robert Niedergesäß und die Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD) nehmen es offensichtlich untätig hin, wie sich die Aussicht für den Landkreis Ebersberg, die unerträgliche Situation in den Anliegergemeinden verbessern zu können, von Monat zu Monat weiter verschlechtert.

Noch vor 4 Jahren war an einen ominösen Tunnelneubau zwischen München und Grafing gedacht, der die Orte im Landkreis Ebersberg vom Güterzugverkehr hätte entlasten können. Davon ist jetzt keine Rede mehr, dafür soll es solche Tunnelbauten jetzt im Landkreis Rosenheim geben. "Wir wollen nicht mit einer Billiglösung abgespeist werden", sagt der Rosenheimer Landrat Berthaler und fordert weiter vehement einen Ausbau nach dem Vorbild des österreichischen Unter­inntals. Wie bekannt, verlaufen dort zum Schutz der Bevölkerung rund 34 km der insgesamt 40 km langen Neubaustrecke zwischen Wörgl und Innsbruck außerörtlich in Tunnels, Wannen und in einer Galerie. Berthaler will in einer Allianz mit der Kommunalpolitik seines Landkreises erreichen, dass der Großteil der derzeit 2,6 Milliarden Euro, die für den gesamten Ausbau auf bayerischer Seite veranschlagt werden, in den Landkreis Rosenheim fließen.

In diesem Jahr soll über den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 und die Frage, welches Verkehrsprojekt wie viel Geld vom Bund bekommt, entschieden werden. Bisher haben die Rosenheimer alles richtig gemacht und haben gute Chancen, dass sie ihr Ziel eines umwelt- und ortsverträglichen Bahnausbaus im Landkreis Rosenheim erreichen – auf Kosten der Gemeinden des Landkreises Ebersberg, wo die Kapazität der vorhandenen Gleise fortlaufend in einer Salamitaktik erhöht wird. Durch den Einbau moderner Signaltechnik und eine Vielzahl sog. „Unterhaltungsmaßnahmen“, die aber nichts anderes sind als zahllose punktuelle Erhöhungen der Streckenkapazität, der Streckengeschwindigkeit und der Achslasten, wird in der Summe eine erhebliche Ausweitung des Zugverkehrs ermöglicht. Das gab Stefan Kühn, DB Netz AG in Bayern, im Juli 2014 auch ganz unumwunden zu: "DB, ÖBB und die Verkehrsministerien beider Länder sind sich einig, mit dem Ausbau bedarfsgerecht vorzugehen. Planung, Genehmigung, Finanzierung und Errichtung eines großen Infrastrukturprojekts wie der Neubau einer Bahnstrecke erfordern einen Umsetzungszeitraum von rund zwei Jahrzehnten. Das heißt, wir werden zwischenzeitlich die vorhandene Strecke verbessern."

Das heißt ganz konkret: es wird im Landkreis wohl auf absehbare Zeit keine zusätzlichen Gleise geben, weil durch die „Unterhaltungsmaßnahmen“ auf den vorhandenen Gleisen künftig noch mehr Züge noch schneller fahren können. Der Vorteil für Bahn: sie muss keinerlei Lärmschutzmaßnahmen bauen – der Nachteil für die Anlieger: es werden immer noch mehr Güterzüge tags und vor allem nachts durch Kirchseeon donnern. Die Mehrzahl dieser Güterwagen wird weiterhin sog. Grauguss(GG)-Bremsklötze haben. Ab 2020 wird solchen Güterwagen die Durchfahrt durch die Schweiz verboten sein, weil sie besonders laut sind. DB Schenker und den anderen Wagenhaltern ist das egal, denn dann fahren sie eben durch den Landkreis Ebersberg und durch Österreich über den Brenner nach Italien, anstatt freiwillig Gelder für die Umrüstung auf sog. LL-Bremsklötze auszugeben und dadurch die Waggons leiser zu machen.

Das Umweltbundesamt hat Mitte Januar 2015 mitgeteilt, dass mehr Menschen durch nächtlichen Lärm von Haupteisenbahnstrecken und in Ballungsräumen von Bahnlärm betroffen sind als durch nächtlichen Lärm von Hauptverkehrsstraßen und von Straßen in Ballungsräumen. Die Europäische Umweltagentur (EEA), eine EU-Behörde, hat im Dezember 2014 in ihrem Bericht „Noise in Europe 2014“ mitgeteilt, dass bereits ab Verkehrslärmpegeln LDEN > 50 dB das Risiko für Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen ansteigt und dass es in der EU aufgrund von Bahnlärm jährlich rund 100.000 Bluthochdruck-Neuerkrankungen gibt; die Folgen können Herzinfarkt und Schlaganfälle sein. Und eine im Oktober 2014 abgeschlossene epidemiologische Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes, die über mehrere Jahre mit den Daten der gesamten Bremer Bevölkerung durchgeführt wurde, ergab, dass bereits ab nächtlichen Bahnlärmpegeln von 45 dB(A) lärmbedingte Todesfälle auftreten.

In Kirchseeon beträgt die Belastung mit Bahnlärm trotz der vorhandenen Lärmschutzwälle und -wände bis zu 60-65 dB(A). Bahnlärm nicht nur lästig und stört den Schlaf – Bahnlärm macht krank, Bahnlärm ist tödlich.

Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Februar 2015, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite https://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"