Ockel gegen die Pressefreiheit
In der September-Ausgabe von kirchseeonerleben wurde im Artikel „Wo nicht nur der Müll stinkt ...“ über die seit Jahren überfällige Neuberechnung der Kirchseeoner Müllgebühren berichtet. Bereits in der Sitzung vom 3. November beschloss der Gemeinderat eine moderate Senkung der Müllgebühren ab Januar 2015 – und das, obwohl sich Bürgermeister Ockel und Kämmerer Ess lange Zeit gegen eine Senkung der Müllgebühren gesträubt hatten.
Da der Landkreis zuvor die Restmüll-Entsorgungsgebühren deutlich gesenkt hatte, wäre eine höhere Gebührensenkung in Kirchseeon ohne weiteres möglich gewesen, wenn die Gemeindeverwaltung den neuen Wertstoffhof sparsamer geplant und der Gemeinderat den Bauauftrag nicht zu den doppelten der ursprünglich kalkulierten Kosten vergeben hätte.
Es mag jede/r selbst beurteilen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Artikel und dem Gemeinderatsbeschluss besteht. Dass aber die Berichterstattung in kirchseeonerleben von der Gemeindeverwaltung aufmerksam verfolgt wird, sieht man an den wütenden Attacken Ockels auf kirchseeonerleben in der November-Ausgabe „seines“ Gemeindeblatts. Aber anstatt sich mit Kritik sachlich auseinanderzusetzen, diffamiert er und meint wohl, er allein habe zu bestimmen, wie eine „objektive“ Information der Bürger auszusehen habe. Kritik an ihm und an der Gemeindeverwaltung hält „König Udo“ offenbar eine Majestätsbeleidigung und würde wohl am liebsten sofort zur Zensurschere greifen. Da er das nicht unmittelbar kann, ergeht er sich in subtilen Drohungen gegenüber den in kirchseeonerleben inserierenden Gewerbetreibenden – offensichtlich bewusst, um die wirtschaftliche Grundlage der Zeitschrift zu schwächen und um sich so schnellstmöglich der Kritiker zu entledigen.
Dieser frontale Angriff auf ein Printmedium und damit auf die Pressefreiheit insgesamt überrascht nicht, da Bürgermeister Ockel und Teile der Gemeindeverwaltung bereits in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie erhebliche Probleme mit der Meinungs- und Informationsfreiheit und mit der Pressefreiheit haben.
So hat Bürgermeister Ockel mit dem steuerfinanzierten Gemeindeblatt ein Meinungsmonopol geschaffen, in dem der Zensor Ockel bestimmt, was abgedruckt wird und was nicht. Es war daher nicht überraschend, dass die Kirchseeoner Bürger/innen pünktlich zur Kommunalwahl im Gemeindeblatt zusammen mit einer fast seitengroßen Abbildung des Amtsinhabers und Bürgermeisterkandidaten Ockel die „objektive“ Information vermittelt bekamen, dass natürlich Udo Ockel der beste Bürgermeister für die nächste Periode wäre und die besten Gemeinderäte der gleichen Partei angehörten.
Mit „seinem“ Gemeindeblatt tritt Ockel in Wettbewerb mit privaten Printmedien, sowohl auf dem Nachrichtenmarkt, wie auch auf dem engen lokalen Werbemarkt – und untergräbt damit die wirtschaftliche Basis der werbefinanzierten privaten Zeitschriften. Das ist der Gemeinde jedoch aus verfassungsrechtlichen Grunden, nämlich zur Sicherung der Pressefreiheit, strikt untersagt. Denn die privaten Zeitungen und Zeitschriften haben die demokratiepolitisch wichtige Aufgabe der Kontrolle der staatlichen und kommunalen Organe durch Berichterstattung und Kritik und die Verfassung will daher diese „4. Gewalt im Staate“ besonders schützen.
Bürgermeister Ockel scheint das aber ebenso wenig zu kümmern wie Teile des Gemeinderats. Denn beide eint das Interesse, dass der Bürger und Wähler möglichst nichts vom Treiben der Verwaltung und ihren Geschäften mit einzelnen Gemeinderäten und von der Gewährung von persönlichen Vorteilen für einzelne Gemeinderäte erfährt und auch Spenden von renovierenden und gärtnernden Gemeinderäten nicht öffentlich hinterfragt werden.
Daher wird alles getan, um Transparenz und Öffentlichkeit zu verhindern. So fand Ockel im Februar 2013 auch ganz schnell eine überparteiliche Mehrheit im Gemeinderat, um einen Antrag auf Einführung einer Informationsfreiheitssatzung nach dem Vorbild zahlreicher bayerischer Kommunen abzulehnen. Nicht überraschend war Bürgermeister und Kreisrat Ockel im Juli 2014 auch der Einzige, der im Kreistag gegen die Informationsfreiheitssatzung des Landkreises stimmte....
Auskünfte auf Sachanfragen verweigert die Gemeindeverwaltung seit langem ohne sachliche Begründung und unter Verstoß gegen das Gebot der Gleichbehandlung aller Bürger. Kämmerer Robert Ess versuchte sogar (vergeblich), die Veröffentlichung der gemeindlichen Haushaltssatzung auf einer privaten Internetseite wegen angeblichen Verstoßes gegen sein angebliches Urheberrecht zu verbieten - während in vielen anderen Gemeinden die Haushaltssatzung auf der gemeindlichen Homepage veröffentlicht wird, wird in Kirchseeon ein Staatsgeheimnis daraus gemacht, für welche oft fragwürdigen Zwecke gemeindliche Gelder ausgegeben werden sollen.
Sollen solche unerfreulichen Dinge unter und mit diesem Bürgermeister wirklich noch weitere fünfeinhalb Jahre so weitergehen? Das einzig Positive daran wäre, dass der Stoff für Artikel in kirchseeonerleben so nie ausgehen dürfte....
Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft Dezember 2014, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite https://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"