Bahnausbau: Kreistag unterstützt Petition der Bürgergruppe
Am 19. März 2014 behandelte der ULV-Ausschuss des Ebersberger Kreistags die Petition der Bürgergruppe für Sicherheit und Lärmschutz an der Bahn in Kirchseeon vom 9.12.2013 und den späteren Antrag der Kreis-CSU zum geplanten Ausbau der Eisenbahnlinie zum Brennerbasis-Tunnel.
Der ULV-Ausschuss schloss sich einstimmig den Forderungen einer Petition der Bürgergruppe an, die bei einem Ausbau für eine ergebnisoffene Öffentlichkeitsbeteiligung unter Einbeziehung eines Mediators und mindestens den gleichen Schutzstandard wie im österreichischen Unterinntal eintritt. Bekanntlich wurde in Österreich zwischen Wörgl und Innsbruck eine zweigleisige Neubaustrecke außerhalb der Ortschaften errichtet, teilweise in Tunnelführung, teilweise in Graben- und Trogbauweise. Seit der Fertigstellung im letzten Jahr verkehren praktisch alle Güterzüge nur noch auf dieser Neubaustrecke, was für die Anwohner der Bestandsstrecke eine erhebliche Entlastung bedeutet.
Der ULV-Ausschuss tritt auch für eine frühzeitige Einbeziehung der direkt betroffenen Gemeinden sowie des Landkreises Ebersberg ein und fordert, dass die Anliegen und Interessen der Bürgerinnen und Bürger, insbesondere bezüglich Lärmschutz, Sicherheit, Trassierung und Umweltauswirkungen dabei größtmögliche Berücksichtigung finden müssten.
Schließlich beschloss der ULV-Ausschuss, dass der Landkreis Ebersberg künftige Aktivitäten mit den weiteren betroffenen Landkreisen abstimmen wird.
Eine Koordinierung der Landkreise ist dringend notwendig, da wohl nur so erreicht werden kann, dass der von EU-Kommissar Kallas euphemistisch als "Grüner Korridor" beschriebene Ausbau der TEN-Strecke München-Rosenheim-Italien sich am Ende nicht als Zerstörung innerörtlicher Lebensräume und Absiedlung von Menschen darstellt - für einige der womöglich betroffenen Familien wäre dies dann die zweite Vertreibung nach dem Krieg.
Es stimmt zuversichtlich, dass sich unter den Mandatsträgern immer weiter die Erkenntnis durchsetzt, dass eine Bahnausbaupolitik, die mit Brachialgewalt immer mehr Gleise quer durch die Ortschaften legen will, nicht zukunftsfähig ist. So wurde auch interessiert registriert, dass bereits Ende Februar 2014 Daniela Ludwig, CSU-Bundestagsabgeordnete aus Rosenheim, in einer Pressemitteilung feststellte: "Ich glaube nicht, dass wir 400 Züge mitten durch Oberaudorf fahren lassen können" und "Ich bin aber grundsätzlich der Ansicht, dass es besser ist, wenn der Güterverkehr die Stadt umfährt, ähnlich wie in Innsbruck". Damit schließt sich MdB Daniela Ludwig im Kern den Forderungen von Landrat Neiderhell an, der ebenfalls einen innerörtlichen Ausbau mit zwei zusätzlichen Gleisen entschieden ablehnt.
Die Bürgergruppe begrüßt es, dass sich der Kreistag Ebersberg nun so deutlich für die Interessen der Anlieger und Anliegergemeinden einsetzen will und hofft, dass Land, Bund und DB AG die Bürger und Kommunen auch ernsthaft in die Planungen einbeziehen werden – Zweifel sind aber angesichts der fortwährenden Geheimniskrämerei des „Lenkungskreises“ und der Verweigerung von Auskünften durch die DB Netz AG weiter angebracht.
Dieser Artikel ist eine fortgeschriebene Fassung der in der Zeitschrift "Der Oberbayer", Heft April 2014, erschienenen Erstversion. Artikel mit lokalem Bezug aus dieser Zeitschrift werden mit ein paar Wochen Verzögerung an dieser Stelle abgedruckt. Den Beitrag in der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Seite https://www.kirchseeon-intern.de/der-oberbayer.htm oder auf "Der Oberbayer"